2009 mit dem 1. Inthega Preis ausgezeichnet
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich bin stolz auf unsere Aufführung „Jedermann“, die mit dem 1.Preis der Inthega ausgezeichnet wurde. Ich würde mich freuen, wenn die angebotene Wiederholung auf große Resonanz stoßen würde. Eine 2.Wiederholung wird es nicht geben. Auf dieser Webseite können Sie einen 3,8 Min. Zusammenschnitt der Aufführung ansehen. Es war die letzte Arbeit unserer wunderbaren Bühnen- und Kostümbildnerin Heidrun Schmelzer, die- viel zu früh- einem Krebsleiden erlegen ist. Ich habe eine unersetzbare Freundin verloren, an die ich voller Dankbarkeit denke. Ihre hohe professionale Qualität wird ein letztes Mal dokumentiert durch die so großartig gelöste Kulisse und die herrlichen Kostüme der „Jedermann“ Aufführung.
Ich freue mich auf Ihren Anruf
Ihre Ellen Schwiers
Der genusssüchtige, hartherzige Jedermann wird mitten aus dem bunten Leben auf Geheiß Gottes vom Tod abgeholt. Eben noch
hat er die guten Ratschläge seiner Mutter in den Wind geschlagen, hat hönisch die Bitten um Hilfe seiner armen Nachbarn und Schuldner abgewiesen. Jetzt, angesichts des Todes, verlassen ihn alle Freunde, seine Buhle, seine Verwandten, für seinen Reichtum kann er sich nichts mehr kaufen; er verzweifelt. Im Grabe, in das ihm die von ihm vernachlässigten „Guten Werke“ und der „Glaube“ als allegorische Figuren fürbittend folgen, betet er um Erbarmen. Gott wird ihn erhören, Gott verzeiht.
Der Teufel, der sich dieser verluderten Seele sicher war, muss unverrichteter Dinge wütend abziehen.
Der Autor
Hugo von Hofmannsthal,
(1874–1929) wurde im April 1903 brieflich durch den Freund Clemens Freiherr zu Franckenstein (1875–1942) auf eine Londoner Aufführung des Everyman aufmerksam gemacht. Dem Brief lag ein Textheft bei. Hofmannsthals Interesse war damit zwar geweckt,
aber erst ein Jahr später näherte er sich dem Stoff erneut. Er tendierte zu einer Prosaversion, relativ losgelöst von der englischen Versvorlage. Ab 22. Juni 1905 entstanden dann binnen Wochenfrist einige Szenen, von denen jedoch nur diejenige mit Mammon zu Lebzeiten veröffentlicht wurde (Der Tag, Berlin, 24. 12. 1911). Erst nachdem es im September 1910 zu einer Begegnung zwischen Hofmannsthal und Max Reinhardt gekommen war, bei der Reinhardt auf einen Abschluss der bisherigen Bearbeitung drängte, kam erneut Bewegung in die Arbeit. Ab Januar 1911 begann der Dichter im ständigen Kontakt mit Reinhardt unter völlig veränderten Voraussetzungen erneut mit der Arbeit am Jedermann. Der Akzent lag jetzt mehr auf einer Neuübersetzung in Versen unter Einbindung von Szenen und Details aus zusätzlichen Quellen. Die eigentliche Niederschrift begann am 6. März. Als am 18. August die Erneuerung des alten Spiels „vom Sterben des reichen Mannes“ vollendet war, hatte sich ein Sprachwunder ereignet, denn die Jedermann-Sprache ist in Hofmannsthals Gesamtwerk ein durchaus einmaliges Ereignis. Es hatte sich so leise und unspektakulär vollzogen, dass selbst der Autor zunächst wenig davon Kenntnis nahm. Erst mit dem Buch- und Bühnenerfolg des Jedermann wurde Hoffmansthal selbst zunehmend bewusst, dass er in Restaurierung des alten Spiels weit mehr geleistet hatte als nur eine Wiederbelebung, dass es sein schöpferischer Eigenanteil war, der das hohe Ziel der Eingliederung des Stücks ins deutsche Repertorium erst ermöglichte. Seit der Uraufführung im Zirkus Schumann, am 1. Dezember 1911 in Berlin durch Max Reinhardt ist die Publikumswirkung des Stückes ungebrochen.