Eingetragenes Mitglied der Interessengemeinschaft der deutschsprachigen Tourneetheater

Die Frau in Schwarz

 

Eine schauerliche Gespenstergeschichte von Susan Hill

Seit mehr als 20 Jahren ist “The Woman in Black” ein Dauerbrenner im Londoner West End und damit nach Agatha Christies ,,Die Mausefalle” das Schauspiel mit der längsten Laufzeit überhaupt.

Der Beginn der Geschichte, die garantiert unter die Haut geht, ist als Theater im Theater angelegt: Mit einem jungen Schauspieler geht Arthur Kipps Schritt für Schritt noch einmal die grausigen erlebten Geschehnisse in seiner Vergangenheit durch, als er als junger Anwalt in eine gottverlassene Gegend reisen musste, wo er den Nachlass einer verstorbenen Klientin ordnen sollte. Die wortkarge Dorfgemeinschaft mied ihn, und am verwaisten Haus der Toten begegnete ihm eine rätselhafte Frau in Schwarz. Neugierig versuchte er ihr Geheimnis zu ergründen, bis er merkte, dass die Geister, die er rief, entsetzliche Kräfte auf sein Leben entfalteten: Der Albtraum beginnt.


Städteliste: Die Frau in Schwarz März/April 2014

 

lm Oktober 2003 verlieh die INTHECA den 2. Preis für die beste Theater-Produktion der Spielzeit  2002/3 mit folgender Begründung:

InThega Preis 2002/2003 Die Frau in Schwarz “Eine Gespenstergeschichte auf dem Theater ist eine Ausnahmeerscheinung im breiten Repertoire der Tourneetheater, Mit dem sicheren Instinkt für szenische Wirkungen hat die Schauspielerin und  Regisseurin Ellen Schwiers im Londoner West End eine kauzige Horror-Geschichte aufgespürt und für ihr Unternehmen ,,Das Ensemble” einfallsreich und aufwändig in Szene gesetzt. Stephen Mallatrats Bearbeitung des gleichnamigen Buches von Susan Hill enthüllt eine mysteriöse Familiengeschichte als geheimnisvolles, aber immer spannendes Rollenspiel, dessen Reiz in der Verwischung von Realität und Fiktion liegt.

Mit Timothy Peach und ihrem Bruder Holger Schwiers hatte die Prinzipalin ein verwandlungsfähiges Duo in ungezählten Rollen zur Verfügung, das sowohl zur perfekten Verwirrung als auch zur genussvollen Unterhaltung beitrug. Selber gab Ellen Schwiers die geheimnisvolle Witwe als stummen Geist, deren Ausdruckskraft allein in der magischen Präsenz einer großen Schauspielerin lag. Ungewöhnlich vielfältig war der technische Apparat von Licht, Ton und übersinnlichen Erscheinungen, der seine Wirkung nicht verfehlte.”

Mit Recht vergaben die Mitglieder der INTHECA dem Ensemble Ellen Schwiers den 2. Preis der Theatersaison 2002/2003 für ihre Produktion ,,Die Frau in Schwarz”.

 

Das Schönste, was wir erleben können, ist das Mysteriöse. Es ist die Quelle jeder wirklichen Kunst und Wissenschaft.

Albert Einstein, Oktober 1930

 

 


 

Bilder zu “Die Frau in Schwarz” finden Sie hier…


 

Kritiken:

 

Zwischen Wirklichkeit und Illusion

Grandiose Aufführung der Gespenstergeschichte „Die Frau in Schwarz“

Von Elisabeth Tondera

Eine Gespenstergeschichte auf der Bühne? In einer Zeit, in der die elektronischen Medien jede Illusion bildlich und akustisch besser darzustellen vermögen, als es sich die Menschen in ihren kühnsten Fantasien, die ausmalen konnten, müsste man meinen, die Möglichkeiten des Theaters seien erschöpft. Mitnichten. Wer die Aufführung der Produktion des Ensembles Jacob Schwiers, “Die Frau in Schwarz”, im Lingener Theater gesehen hat, konnte sich davon überzeuget, dass die darstellende Kunst in Verbindung mit ausgereifter Bühnentechnik die Fantasie so anregen kann, dass vor dem inneren Auge detailreiche Bilder entstehen und das Geschehen wie ein Film abläuft, obwohl auf der karg ausgestatteten Bühne nur zwei Schauspieler agieren.

„Die Frau in Schwarz“, die Stephen Mallatratt nach einem Roman von Susan Hill für die Bühne geschrieben und Ellen Schwiers inszeniert hat, ist ein Spiel mit der Illusion und der Vorstellungskraft: der Zuschauer auf der Grundlage einer klassischen Gruselgeschichte.

Eigentlich sind es zwei ineinander greifende Geschichten, die sich auf unterschiedlichen Ebenen abspielen. Der Rechtsanwalt Arthur Kipps engagiert einen jungen Schauspieler, um mit ihm das Vortragen einer Geschichte einzustudieren. Er möchte seiner Familie eine Begebenheit erzählen, die er als junger Mann erlebt hat, die sein ganzes Leben nachhaltig geprägt hat. Kipps stellt sich bei den ersten Versuchen an, wie man es von einem Anfänger,  erwartet,  deshalb übernimmt der junge Schauspieler den Part des Anwalts, um ihm zu zeigen, wie sie glaubwürdig gespielt werden muss. , Kipps übernimmt alle anderen Rollen, und Plötzlich sind die Zuschauer mitten in der Geschichte, die sich vor vielen Jahren ereignet hat.

Damals sollte Arthur Kipps den Nachlass einer Verstorbenen ordnen, um die es ein Geheimnis gab. In der einsamen Gegend, in der die alte Frau gelebt hatte, sind die Menschen ohnehin wortkarg, sobald aber der Name der Mandantin fiel, war nichts mehr aus ihnen herauszubekommen. Nachdem dem jungen Anwalt bei der Beerdigung zum ersten Mal die rätselhafte Frau in Schwarz erschienen war, wollte niemand mehr etwas mit ihm zu tun haben. Im jugendlichen Übermut versuchte Kipps hinter das Geheimnis der Erscheinung und der verstorbenen Mandantin zu kommen, ohne zu ahnen, dass die übersinnliche Kraft einen fürchterlichen Einfluss auf sein Leben haben würde.

Zwischendurch wird die Geschichte immer wieder unterbrochen, und die Zuschauer werden in die ,,Wirklichkeit” des Bühnengeschehens zurückgeholt. Kipps und der junge Schauspieler besprechen das bisher Durchgespielte und gehen den weiteren Ablauf durch. Doch das Spiel und die Realität vermischen sich immer mehr, und am Ende holt die vermeintliche Fiktion die beiden Protagonisten ein.

Wo liegt die Grenze zwischen Wahrheit und Illusion, und gibt es diese Grenze überhaupt? Diese Fragen drängen sich bei der grandiosen Aufführung immer wieder auf. Mit bühnentechnischen Mitteln gelingt es, eine unheimliche Szenerie zu schaffen und das Grauen beinahe greifbar zu machen. Die Zuschauer wer, den immer wieder durch unerwartete akustische, und optische Effekte verblüfft, aber den Gehalt der Inszenierung von Ellen Schwiers, die auch als Gespenst auf der Bühne erscheint, machen die schauspielerische Leistung der Darsteller und die Ideenvielfalt aus.

Selten erlebt man ein Spiel auf solch hohem Niveau, ein Stück, das den Zuschauern sowohl intellektuell jede Menge abverlangt als auch ihre Fantasie herausfordert. Holger Schwiers und Timothy Peach verwandeln sich auf offener Bühne in die verschiedenen Figuren der Geschichte und erschaffen mit den wenigen Requisiten (Bühne: Rolf Brettschneider) ganze Bilderwelten. Weil sie in jeder der verschiedenen Rollen, die sie auf den wechselnden Ebenen des Spiels übernehmen, ihre ganze emotionale Kraft einsetzen, das seelische Wesen der Figur zu ihrem eigenen machen, entwickelt sich eine kreative Kommunikation zwischen den Schauspielern und dem Publikum.

 

29. November 2002

Zwei Männer mit tausend Gesichtern

Ellen Schwiers und Ensemble mit „Die Frau in Schwarz“

Von Karina Eyrich

Freudenstadt. Zwei Koffer, zwei Stühle, zwei Wände und zwei Männer – mehr brauchen Regisseurin Ellen Schwiers und Das Ensemble. nicht, um gleich zwei Geschichten zu erzählen: Es ist die Begegnung mit „der Frau in Schwarz“, bei der Timothy Peach und Holger Schwiers im Freudenstädter Kurtheater ihre tausend Gesichter zeigen dürfen. Die schrecklichen Dinge, die mir zugestoßen sind, ich muss sie erzählen, keucht der ältliche Anwalt Mr. Kipps (Holger Schwiers). Meiner Gesundheit und meinem Verstand zu Liebe. Er hat einen Schauspieler (Timothy Peach) engagiert, um das Erlebte in einer Art Theater darzustellen und damit  hoffentlich zu begraben. Dabei übernimmt der Schauspieler seine, Mr. Kipps, Rolle. Er, Kipps, schlüpft in die Rollen all der Personen, die ihm begegneten. Damals, als er noch jung war und den Nachlass von Alice Drabloe auf einer Insel im Marschland ordnen sollte. „Vergeben Sie mir, ich bin kein Schauspieler“, versichert Kipps dabei immer wieder. Nein? Oh doch! Chamäleonartig zieht sich Kipps und mit ihm Holger Schwiers die Kostüme und die Gesichter des schniefenden Schreibers, des röchelnden Mr. Bentley, des seltsamen Mr.Daley im Zug und des grimmigen Wirtes im Hotel an. Den einäugigen Kutscher, den ängstlichen Mr. Jerome und nicht zuletzt den Erzähler gibt Schwiers mit ergreifender Präsenz.

Der alternde Bühnenprofi vermag es, alle Blicke, auch die weiblichen, vom Ladykiller Peach weg und, auf sein eindrucksvolles Spiel zu lenken. Dal kann den jungen Fernsehstar Timothy Peach nicht kratzen. Im Gegenteil: Nassforsch, fesselnd und ein kleines bisschen großspurig setzt er dagegen. Mal als John Wayne der Bühnenkunst. Mal als junger Mr. Kipps, dessen gespenstische Erlebnisse den Schauspieler immer tiefer in die Geschichte hinein ziehen. Ellen Schwiers, die das Stück von Stephen Mallatratt nach einem Roman von Susan Hill inszenierte, bedient sich dabei nur weniger akustischer und technischer Hilfsmittel  allesamt Beiwerk.

Was haftet, sind vielmehr die einfachen und gerade deshalb so eindrucksvollen Einfälle, die einfältige Filmregisseure durch Spezialeffekte ersetzen müssten. Da ist bloß schauspielerische Handwerkskunst am Werk: ‘Pantomime. Monologe. Wandlungsfähigkeit. Wunderbar.

Wer von den Zuschauern zwischen Lachen und Schmunzeln dachte, er hätte sich nach dem dramatischen Höhepunkt nun auch genug gegruselt, der wurde übrigens überrascht: Die Geschichte hat noch einen Kick, und die Frau in Schwarz  dargestellt von Ellen Schwiers höchst selbst  lässt noch lange nicht von ihren Opfern ab. Schaurigen Heimweg!

 

Wer hat Angst vor der schwarzen Frau?

,,Das Ensemble” gastierte im Parktheater mit Gruselstück / Von Ellen Schwiers inszeniert

Bensheim. Jeder zehnte Westdeutsche glaubt an Gespenster, darunter mehrheitlich Frauen. Fast die Hälfte davon fürchtet sich nach eigenen Angaben manchmal vor spukenden Geistern. Das hat eine repräsentative Umfrage ergeben, für die das Institut für Demoskopie Allensbach rund 2000 Bundesbürger ab 16 Jahre befragt hat. Statistisch gesehen hätten demnach am Dienstagabend im Parktheater 50 Besucher besonders heftige Schauer den Rücken herunter laufen müssen, weil sie das für möglich halten, was Autorin Susann Hill sich Makabres ausgedacht, Stephan Mallatratt dramatisiert und Ellen Schwiers mit ihrem Tourneetheater ,,Das Ensemble” inszeniert hat. , Doch auch ohne Vertrauen in die Parapsychologie waren es hübsch gruselige zweieinviertel Stunden spannende Unterhaltung, die da den Abonnenten der Reihe B geboten wurden. Das Konstrukt der Story, der geschickte dramaturgische Ablauf sind so gut, dass die ,,Frau in Schwarz” (The Woman in Black) in London seit über zwölf Jahren im Londoner West End auf der Bühne spukt und damit nach Agatha Christies ,,Die Mausefalle” das Schauspiel mit der längsten Laufzeit überhaupt ist.

Ellen Schwiers hat es sich dort viermal angesehen und war so begeistert davon, dass sie unbedingt mit dem Stück auf  Tournee gehen wollte. Nun ist zwar der personelle Aufwand mit zwei Darstellern und einem Geist gering, doch baut die Wirkung stark auf technische Effekte, die beim Tourneetheater immer schwierig zu realisieren sind. Licht und Ton sind dabei besonders gefragt  und sie verfehlten auch am Dienstag im Parktheater nicht ihre bisweilen schockartige Wirkung. Da ratterten Eisenbahnen, klapperten Pferdehufe, ,kreischten aufgescheuchte Nachtvögel, wummerten dumpfe Hufschläge, quietschten Kutschenräder, bellte Spider, der gute Hund und fuhr unter infernalischem Krach und Geschrei eine Pferdekutsche in den Treibsand.

Für den Rest an Atmosphäre sorgt neben ein paar Requisiten die Kunst der beiden Schauspieler Holger Schwiers und Timothy Peach. Ersterer, Mister Kipps, hat die Geschichte erlebt und will sie erzählen, findet aber keinen Einstieg und Weg, das Unglaubliche glaubhaft mitzuteilen. Ein Schauspieler soll ihm dabei helfen. Dieser verzweifelt zunächst an seinem talentlosen Schüler und übernimmt selbst die Rolle des vom Schicksal schwer gebeutelten Kipps, während dieser in die Rolle des Schauspielers schlüpft und nach und nach sämtliche Figuren so fantastisch spielt, dass der Lehrer am Ende vollkommen begeistert ist.

Die Konstruktion mag zwar etwas hergeholt sein, erweist sich aber als ein dramaturgisch vorzüglicher Kniff, von Anfang bis Ende die Spannung zu halten. Vor allem ist es eine Steilvorlage für Holger Schwiers, der hier von einer Rolle in die andere schlüpft und vorführen kann, wie er scheinbar mühelos von einem Typ und Charakter, von einer Diktion und Haltung in die nächste fallen kann – unterbrochen nur von Zwischenspielen, die immer wieder in die Theatersituation hineinführen.

Besonderen, mit Humor gewürzten Gewinn, zieht Schwiers aus den Kabinettstückchen, wenn er etwa als Kutscher nur zwei Kisten braucht und die Illusion einer Pferdekutsche schon perfekt ist, wenn er mit seinem Partner im Zugabteil geschüttelt wird oder das imaginäre Hundchen hätschelt. Die ganze Ausdruckspalette von nacktem Grauen, Todesangst und Verzweiflung bis hin zur komödiantischen Karikatur britischer Kanzleigehilfen oder Notare muss er abarbeiten  und tut es mit Bravour. In Timothy Peach hat er einen Partner, der ihm in darstellerischer Kraft kaum nachsteht. So erlebt man in einer Art Rückblende die Fahrt des Mister Kipps in ein einsames Haus an der Küste Britanniens, das nur bei Ebbe über einen Damm zu erreichen ist. Es passieren doch die merkwürdigsten Dinge. Eine schwarze Frau mit weißem Totengesicht spukt zwischen Grabsteinen herum, ein Schaukelstuhl setzt sich wie von unsichtbarer Hand berührt in Bewegung. Die Nerven liegen blank im Haus der toten Witwe. Vergebens versucht Mr. Kipps, der von seiner Kanzlei  beauftragt ist, die hinterlassenen Papiere der Verstorbenen zu ordnen, von den Dorfbewohnern Auskunft über die schrecklichen Geheimnisse zu bekommen. Am Ende löst sich der Fall und es scheint so, dass Mr. Kipps jetzt sein Selbstvertrauen wieder gewonnen hat. Doch ein Happy End hat die Geschichte keineswegs. Auch das Ende ist eines mit Schrecken, denn die Frau in Schwarz, faszinierend gespenstisch von Ellen Schwiers verkörpert, wird weitere Opfer fordern. Denn alle, die sie gesehen haben, die schaurige Untote müssen dafür mit dem Liebsten zahlen, was sie besitzen.

Vor gut 20 Jahren gründete d.ie Münchner Schauspielerin und Regisseurin mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Peter Jacob und ihrer Tochter Katerina die Tourneebühne ,,Das Ensemble”. Sie zählt von Anfang an zu den renommierten Thespiskarren. Mehrfach wurden Inszenierungen mit Preisen ausgezeichnet. Das Niveau hält Ellen Schwiers auch mit der bewussten Entscheidung, Jahr für Jahr in d.er Regel nur ein Theaterstück zu erarbeiten. Ihre Tourneen sind immer ausgebucht. Im Parktheater, wo nur wenige Plätze frei bleiben, dankte man dem ,,Ensemble” mit herzlichem Applaus. rol

 

Gänsehaut beim Theaterabend mit der „Frau in Schwarz“

Ellen Schwiers gibt ein gruseliges Gastspiel  in Versmold

VON KERSTIN SPIEKER

 Versmold. Wie geht es weiter?* Selten stellte Sich den Besuchern des Versmolder Theaters in der Pause so dringlich die Frage nach dem Fortgang der Geschichte die ihnen da gerade auf der Bühne erzählt wurde. Ebenso selten allerdings dürfte ein Stück so intensiv die Sinne und die Fantasie der Theatergänger angeregt haben wie >Die Frau in Schwarz< es am Samstagabend getan hat. Geradezu meisterhaft nahm sich Das Ensemble< unter der Regie von Ellen Schwiers des Vertreters eines äußerst schwierigen Genres an: einer Gespenstergeschichte.

Nur allzu leicht gleitet die Inszenierung einer solchen Geschichte ins unfreiwillig Komische ab, nur schmal ist der Grat zwischen schaurig schönem Grusel und langweilig Plumper Peinlichkeit. Wer hier bestehen will, muss ein Meister der Theaterkunst sein oder eine Meisterin wie Ellen Schwiers. unter ihrer Regie gelang es Timothy Peach und Holger Schwiers auf der Bühne das Publikum gefangen zu nehmen,  es in ihren Bann zu ziehen, bis die Fantasie und Einbildungskraft der Zuschauer eine wachsweiche Masse geworden waren, die die Schauspieler nach ihren Wünschen zu formen und lenken vermochten; so lange, bis sich diese wunderbare Gänsehaut einsteilte und sich die Nackenhaare aufrichteten.

Fast konnte man meinen, tatsächlich 7euge einer Begegnung in einem Zugabteil zu sein, obwohl sich da auf der Bühne nur zwei Männer auf Stühlen gegenübersaßen, die rhythmisch im Takt der Eingespielten Eisenbahngeräusche mitschuckelten und sich bei Bremsgeräuschen nach vorne lehnten beziehungsweise in den Sitz pressten.

In diesem Zug ist der junge Anwaltsgehilfe Mister Kipps auf dem Weg zu einem Haus im abgelegensten Winkel Englands. Er soll dort den Nachlass einer Mandantin seiner Londoner Kanzlei sichten. Was er nicht weiß: In dem Haus spukt der Geist der Schwester seiner Mandantin, die Frau in Schwarz. Sie wurde wahnsinnig als ihr unehelicher sechsjähriger Sohn, den sie zur Erziehung ihrer Schwester und deren Mann überlassen musste, bei einem Unglück ums Leben kam. In der Folge erkrankte und starb sie. Das ist 60 Jahre her, aber wann immer die Frau in Schwarz irgendwo gesehen wird, stirbt ein Kind durch einen Unfall.

Mister Kippt steht den Auftrag durch, verbringt sogar eine schreckliche Geisternacht in dem Horrorhaus. Ein Jahr später heiratet er und wird bald Vater. Als er im Gewühl in einem Vergnügungspark die Frau in Schwarz sieht, ist wenige Augenblicke später sein Kind tot, vom Platz oben auf einer Kutsche in voller Fahrt gegen einen Baum geschleudert Diese Geschichte, die ihn sein ganzes Leben nicht mehr loslässt, will Kipps, in die Jahre gekommen, erzählen. Dadurch, dass er sie seiner Familie und Freunden vorträgt, hofft er das Trauma zu verarbeiten. Er sucht die Hilfe eines Professionellen Schauspielers. Der beschließt daraus ein Stück zu machen, in dem er Mister Kipps spielt und der schauspielerisch völlig untalentierte Kipps alle anderen Rollen übernimmt.

Im Theater wird Theater gespielt. Und plötzlich spielt da noch jemand mit: die Frau in Schwarz. Als klar wird, dass nur der Schauspieler sie gesehen hat, der Vater einer vierjährigen Tochter ist, während Kipps das Gespenst nicht wahrnehmen konnte, erkennen beide entsetzt was bevorsteht. Und auch das Publikum erfasst sofort, dass der Wunsch Kipps mit dem Erzählen der Geschichte möge nun „alles zu Ende sein“,  wohl sicher nicht in Erfüllung gehen wird.

In der Rolle des >echten< Mister Kipps brillierte Holger Schwiers, als der Schauspieler Timothy Peach. Ellen Schwiers gab als Frau in Schwarz auf der Bühne ein gruseliges Gastspiel. Gemeinsam hatten sie den Besuchern in Versmold einen spannenden Theaterabend beschert, den das Publikum mit anhaltendem Applaus honorierte und der mit Sicherheit in den Träumen des ein oder anderen noch seine Fortsetzung gefunden haben dürfte.

 

Ellen Schwiers geht als Frau in Schwarz um

Gelungene Mischung aus Spuk und Komödie

H e r f o r d (HK). Einen amüsanten und spannenden den Abend erlebten die Besucher des Stadttheaters am Samstag, als Ellen Schwiers mit ihrem Ensemble in Herford die Gespenstergeschichte Die Frau in Schwarz auf die Bühne brachte. Das Erfolgsstück aus dem Londoner West End mit seiner Mischung aus Situationskomik und Übernatürlichem kam auch beim heimischen Publikum an.

Wer eigens für die große Theaterdame gekommen war, der dürfte allerdings enttäuscht gewesen sein. In ihrer Rolle als Gespenst hatte sie erst gegen Ende ihren großen Auftritt und war zuvor nur kurz zu sehen. Für Fans war dies bedauernswert, doch der Dramaturgie des Stückes kam der wohl dosierte Einsatz der Spukszenen sehr zugute.

Ellen Schwiers, die auch Regie führte, hatte mit ihrem Bruder Holger als Mister Kipp und Timothy Peach in der Rolle des Schauspielers einen guten Griff getan. Holger Schwiers zeigte sich als wandelbarer Vollblutschauspieler, der die unterschiedlichsten Typen treffend charakterisierte. Dazu bot ihm das Theaterstück von Stephen Mallatratt nach einem Roman von Susan Hill aber auch reichlich Gelegenheit.

Mister Kipps hat etwas Schreckliches erlebt, das er aufgeschrieben hat und nun seiner Familie unbedingt vortragen will, um sie zu warnen. Der Schauspieler, der ihm dabei helfen soll, schlägt ihm vor, die Geschichte seinen Angehörigen vorzuspielen. Die beiden beginnen mit den Proben, die immer mehr zum realen Erleben werden. Während der Schauspieler den jungen Kipps spielt, der den Nachlass einer kauzigen alten Dame regeln soll, die in einem Spukhaus wohnt, übernimmt Kipps sämtliche anderen Rollen. Aus zwei Stühlen, drei Koffern und einem Kleiderständer lassen die beiden mühelos Kutsche, Pferd, Bett und Zugabteil werden.

Die Zuschauer verfolgten zunächst amüsiert das Treiben, erst allmählich machte sich der Spuk breit. Mit geschicktem Einsatz der Ton und Lichttechnik regte Schwiers die Fantasie der. Zuschauer an, die gespannt auf den ersten Auftritt des Gespenstes warteten und sich bald selbst in dem  mysteriösen Haus wähnten. Die merkwürdigen Geschehnisse häufen sich: Kipps Hund versinkt im Treibsand, er hört Schreie, die Tür zu einem verborgenen Kinderzimmer öffnet sich, er hört wie eine Kutsche verunglückt. Und immer wieder sieht er die >Frau in Schwarz< mit ihrem weißen schmerzverzerrten Gesicht, die begleitet von einem Mark erschütternden Pochen über die Bühne wandelt

Wer diese Unglückliche ist und welche schrecklichen Folgen es für den hat, der sie gesehen hat, erfuhren die Zuschauer erst als gelungenen Clou am Schluss ebenso wie der Schauspieler im Stück, der erst am Ende begreift, dass er einem realen Geist begegnet ist.

Ruth Matthes

 

Information & Buchung

Es sind nur noch wenige Termine verfügbar. Für Anfragen wenden Sie sich bitte an unsere Telefonnummer.

Kontakt

Telefon: +49 (0)8151 5652
Telefax: +49 (0)8151 5615

Email: Info@Das-Ensemble.de